XGS-PON – der Industriestandard

|
05.10.2026

von Fredy Künzler

Lesezeit: 8 Minuten

XGS-PON – der Industriestandard

Vor etwa 20 Jahren wurden die ersten zaghaften Versuche mit FTTH (Fiber to the Home) unternommen. Seither hat sich nicht nur die geografische Verbreitung von Glasfaser rasant, wenn nicht sogar exponentiell ausgeweitet, sondern auch die dazugehörige Technologie stark weiterentwickelt. Waren anfänglich Bandbreiten im Megabit-Bereich üblich, spricht man heute nur noch von Gigabit oder mehr. Unser für Privatkunden erschwingliches Fiber7-25-Gigabit-Angebot ist seit 2021 das Mass der Dinge in der Schweiz, wenn nicht sogar weltweit.

Ethernet (AON)

Dabei gibt es auf dem OSI-Layer 2, also auf der Ebene der Elektronik, welche die Konnektivität auf der letzten Meile zwischen der Glasfaserdose (OTO) des Endkunden und dem ersten Aggregationspunkt, dem Glasfaser-PoP sicherstellt, zwei grundlegend unterschiedliche Technologien: Ethernet (AON) und PON.

Ethernet stammt ursprünglich aus dem Bereich der lokalen Netzwerke. Es stellt immer eine Verbindung zwischen zwei Geräten her und wird meist mit einem 8-adrigen Kupferkabel gesteckt.

Bild: Ethernetkabel, Foto von Claudio Schwarz auf Unsplash


Solche Ethernetkabel sind fast in jedem Haushalt wo ein Computer und ein Internetanschluss vorhanden ist, zu finden. Wenn mehrere Geräte miteinander verbunden werden sollen, kommt ein Switch zum Einsatzt oder, wie es meistens der Fall ist, die Switch-Funktion des Breitbandrouters.

Ethernet funktioniert jedoch auch über längere Distanzen als die physikalische Limite des Kupferkabels, die bei 100 Metern liegt. Dafür wird natürlich Glasfaser verwendet. Ebenso sind unterschiedliche Bandbreiten möglich, im Carrier- und Datacenter-Umfeld sind es heute bis zu 400 Gigabit pro Sekunde. Noch höhere sind in der Standardisierungs-Phase. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch WLAN grundsätzlich auf Ethernet basiert.

PON

Im Gegensatz dazu hat sich insbesondere bei FTTH eine andere Technologie als Ethernet durchgesetzt: PON. PON steht für Passive Optical Network. Das optische Glasfaser Signal wird passiv, also ohne Elektronik, auf mehrere Anschlüsse verteilt. Ethernet wird im Gegensatz zu PON manchmal als AON (Active Optical Network) bezeichnet. Unsere Kolleg:Innen bei iWay haben die Unterschiede zwischen AON und PON in ihrem Blog erklärt.

Auch PON hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Das ursprüngliche PON mit Bandbreiten von unter einem Gigabit pro Sekund ist heute nicht mehr relevant. Aktuell ist GPON in vielen Ländern weit verbreitet und ermöglicht Bandbreiten von 2,5/1,25 Gigabit pro Sekunde (Download/Upload). XG-PON bietet 10/2,5 Gigabit.

Doch ist bereits der nächste Evolutionsschritt standardisiert: 25G-PON und 50G-PON sind punktuell schon verfügbar.

XGS-PON

Durchgesetzt hat sich der XGS-PON Standard: X steht für 10, G für Gigabit und S für symmetrisch. Download und Upload sind also gleich schnell mit jeweils 10 Gigabit pro Sekunde. Tatsächlich erreichbar sind etwa 80% der nominalen Geschwindigkeit. Alle namhaften Provider in der Schweiz verwenden diese Technologie. SALT hat XGS-PON im Jahr 2018 als erster Provider eingeführt. Auch die Angebote von Yallo, Sunrise, Swisscom und auch alle aktuellen Glasfaser-Abos, die auf der Wiederverkaufs-Plattform BBCS des Marktführers basieren, verwenden XGS-PON.

Der grosse Vorteil von PON gegenüber Ethernet (AON) sind die massiv geringeren Investitionskosten pro Anschluss. Beim Layer 2, also der Elektronik, sind es bis zu 80% weniger. Oder anders gesagt: Um einen XGS-PON-Kunden anzuschliessen, muss der Provider nur etwa einen Viertel bis einen Fünftel des Kapitals investieren. Der Nachteil: PON teilt die Bandbreite auf mehrere Kunden auf. Dies geschieht mit einem passiven optischen Splitter. Handelsüblich sind Splitter zwischen 2 und 256 Anschlüssen; es ist auch möglich, Splitter zu kaskadieren. So verwendet der Marktführer häufig 4er Splitter, die dann wiederum auf 16er Splitter gesteckt sind. Am weitesten verbreitet sind 32er Splitter. Die Netztopologie sieht damit aus wie ein Baum, der 32 Äste aufweist oder im Falle des Marktführers, wie ein Baum mit vier Ästen, die wiederum 16 Äste haben.

Der ökonomische Vorteil von XGS-PON

Es dürfte deshalb kaum jemanden verwundern, dass die meisten Provider auf das günstige XGS-PON setzen, denn das Kundenerlebnis ist «ähnlich» wie bei einem Ethernet-Anschluss – zumindest sind die Finanzchefs fast aller Provider dieser Meinung. Die nominale XGS-PON Geschwindigkeit von 10 Gigabit wird damit auf 32 oder mehr Kunden aufgeteilt.

Selbstverständlich sind auch wir bei Init7 mit diesen ökonomischen Gesetzmässigkeiten konfrontiert. Wenn alle Marktteilnehmer «10 Gigabit» vermarkten und damit günstiges XGS-PON meinen, sind wir mit unserem Fiber7, das ungeteilte 10 Gigabit über Ethernet bietet, kommerziell gesehen im Hintertreffen. So als würde man einen Škoda mit einem Porsche vergleichen. Beide haben vier Räder und ein Lenkrad. Allerdings ist das Fahr- respektive Kundenerlebnis bei Autos einfacher zu vermitteln als bei Internet-Anschlüssen und so stört es niemanden, dass der Porsche teurer als der Škoda ist.

10 Gigabit ist nicht 10 Gigabit – oder doch?

Unser Problem ist also, dass unser Premiumprodukt Fiber7, realisiert mit teurer Ethernet-Elektronik von Cisco, preislich mit den marktüblichen XGS-PON-Angeboten von Yallo, SALT und Wingo verglichen wird. Dies zu erklären, war oftmals frustrierend und ist für preissensitive Kunden meist auch nicht relevant. Der XGS-PON-Quasi-Standard kostet um die 40 Franken pro Monat und selbst wenn die Leitung geteilt ist, reicht XGS-PON oftmals als «gut genug». Init7 hatte also im tiefen Preissegment einen Nachteil gegenüber den Marktbegleitern.

Diesen Nachteil versuchten wir 2023 mit unserem Easy7 wettzumachen. Die komplett andere Positionierung als Fiber7 spricht ein Kundensegment an, das ein «Rundum-sorglos-Internet-Abo» sucht. Vollautomatische Router-Konfiguration, gute Qualität, 1 Gigabit Bandbreite und ungeteilt. Denn auch Easy7 ist, genau wie Fiber7, ist ein Ethernet-Produkt.

Easy7 ist zwar erfolgreich, aber trotzdem noch teurer als die XGS-PON-Angebote der Marktbegleiter, wenn auch nur um ein paar Franken pro Monat. Doch weil Innovation tief in der DNA von Init7 steckt, haben wir uns nicht einfach zurückgelehnt. Stattdessen haben wir zwischen Sommer 2025 und heute im Labor gewerkelt, um den Preisvorteil von XGS-PON auf die Init7-Infrastruktur zu adaptieren.

Der neue Ciena Micro OLT

Eine neue OLT-Optik (Optical Line Terminal) von Ciena, die im PoP in die bestehenden Cisco-Switch eingesteckt wird, ermöglicht es uns, granular die bestehenden Fiber7 PoPs mit der XGS-PON Technologie zu ergänzen.

Bild: Ciena OLT-Optik, Quelle: Ciena

Dabei musste insbesondere die vorgegebene 24er- respektive 48er-Verkabelung (im Fachjargon: AV4 Anbindungsvariante 4) der Zentralen berücksichtigt werden. Ziel war es, unsere XGS-PON Splitter einzusetzen, ohne die bestehende Provisionierungssoftware der FTTH Anschlüsse anpassen zu müssen. Doch auch diese Herausforderung haben wir gemeistert. Zusammen mit unseren Lieferanten DN Solutions haben wir einen Weg gefunden, die Splitter direkt in die Glasfaser-Verteil-Module des Herstellers
des Herstellers R&M einzubauen.

Jetzt sind die Labortests und Feldversuche abgeschlossen und wir sind bereit für den Soft Launch unseres neuen Produkts Basic7. Es vereint alle positiven Errungenschaften von Easy7 – «Auspacken. Anschliessen. Surfen.» mit der kostengünstigeren XGS-PON Technologie. Auch der Router ist bei Easy7 und Basic7 identisch: Die FRITZ!Box 5530. Damit sind wir beim Quasi-Industrie-Standard angekommen, selbstverständlich in der selben Preisklasse wie bei den Marktbegleitern SALT, Wingo und Yallo.

Basic7 ist besser – trotz XGS-PON

Die selbe Preisklasse, aber besser. Natürlich haben wir den Anspruch, dass auch Basic7 sich qualitativ vom Rest abhebt. Das gelingt aus zwei Gründen:

1. Jeder PON-Baum hat bei uns seinen eigenen 10-Gigabit-Anschluss auf dem Switch, in dem der Ciena Micro-OLT steckt. Ein PON-Baum bedient üblicherweise 24 Kunden, an einigen Standorten 32. Mehr sind es nie. Der Switch selber verfügt über 1 oder 2 x 100 Gbit/s Uplink-Kapazität. Wir müssen deshalb keine neue, zusätzlich Strom verbrauchende Hardware verbauen, sondern können einfach eine Optik im bestehenden Switch tauschen und damit die XGS-PON Technologie einführen. Dies sieht dann etwa so aus.

Bild: Init7

2. Die Marktbegleiter nutzen statt den granular verwendbaren Micro-OLT von Ciena grosse OLT-Chassis, die teilweise weit über 100 PON-Bäume à 32 Kunden bedienen. Also mehr als 3000 Kunden auf einem Gerät, welches jedoch nur 10 bis maximal 40 Gbit/s Uplink-Kapazität aufweist.

Bild: EA5800-X7, Quelle: HUAWEI

Die verkauften nominalen 10 Gigabit XGS-PON Anschlüsse der Mitbewerber sind damit massiv mehr überbucht als unser neues Basic7. Dieses sogenannte Overbooking kommt bei allen Providern vor, die Frage ist deshalb: Wie viel Overbooking ist noch vertretbar? Weniger ist mehr – unser früherer Blog Artikel geht detailliert auf die Thematik ein.

Basic7 ist also unser neues XGS-PON basierte Internet-Produkt für preissensitive Kunden. «All you need», aber besser als bei den anderen. Vollautomatisch provisioniert, bestens geeignet zum Surfen und Streamen. Auch am Sonntagabend in der Primetime, wenn alle anderen ebenfalls online sind. Die bessere Ökonomie von Basic7 liegt in der günstigeren XGS-PON Technologie und bei der Verwendung von Carrier Grade NAT (CGNAT), die pfleglich mit den knappen IPv4 Ressourcen umgeht. An allem anderen haben wir nicht gespart. So können Init7-Kunden zwischen zwei Produkten wählen: Dem preisgünstigen Basic7, das auf dem Industriestandard XGS-PON basiert und dem höherwertigen Fiber7 mit 10 oder 25 Gigabit, das über Ethernet realisiert ist und mehr technische Möglichkeiten bietet.

Unser XGS-PON Rollout

Wir werden Basic7 bewusst mit einem «Soft Launch» und nicht mit einem grossen Knall starten. Dies ist vor allem darin begründet, dass die bestehenden aktuell 433 Fiber7 PoPs (Stand: 5. Oktober 2026) zuerst mit der neuen XGS-PON Infrastruktur ergänzt werden müssen. Selbstredend geht das nicht über Nacht, auch wenn unsere Infrastruktur-Kolleg:innen von Suter & Bähler einen fantastischen Job machen und uns tatkräftig beim Rollout unterstützen. Deshalb erwarten wir, dass bis Mitte 2027 an allen Standorten, wo Fiber7 erhältlich ist, auch Basic7 als neues Produkt verfügbar sein wird. Easy7 wird dabei sukzessive «end of sale» werden, mit der wachsenden Verfügbarkeit von Basic7.

Aber, da war doch was mit dem Glasfaserstreit?

Richtig. Der Glasfaserstreit, ein umfangreiches Kartellverfahren gegen Swisscom, das letztlich in einem Verbot der PON-Topologie endete. Wie passt das nun mit XGS-PON und Basic7 von Init7 zusammen?

Das ist selbstverständlich eine berechtigte Frage. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen PON auf Layer 1 und Layer 2. Auf Layer 1, also der Art der Netztopologie, ist PON respektive P2MP (Point to Multipoint) tatsächlich von der Wettbewerbskommission und den nachfolgenden Gerichtsinstanzen verboten worden. Dabei ging es im Wesentlichen um die Positionierung der Splitter. Solange diese in der Zentrale beziehungsweise im PoP installiert sind, besteht kein kartellrechtliches Problem. Eine Positionierung der Splitter in Quartieren oder einzelnen Gebäuden hätte hingegen eine «Marktverschliessung» bewirkt (Zitat aus dem Urteil im Glasfaserstreit). Die Details der beiden Netztopologien haben wir in unserem Blog bereits früher beschrieben.

Entscheidet sich ein Provider also für XGS-PON als Technologie, die auf PON respektive P2MP basiert, dann wird die PON-Topolgie quasi auf der P2P (Point to Point) Topologie abgebildet. P2MP kann auf P2P implementiert werden, umgekehrt ist dies jedoch nicht möglich.

P2P ermöglicht den Technologie-Wettbewerb

P2P als Netztopologie ist deshalb notwendig, damit der Technologie-Wettbewerb zwischen den Providern ungehindert funktioniert – so das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Ohne P2P wäre Fiber7 auf Ethernet-Topologie nicht möglich und auch Basic7 auf XGS-PON nicht, weil wir als Mitbewerber von Swisscom nicht in der Lage wären, selber in allen Quartieren und Überbauungen eigene Splitter zu installieren. Die Splitter müssen deshalb in den Zentralen oder PoPs installiert sein und so hat jeder Provider die Möglichkeit, die für seine Zwecke optimale Technologie auszuwählen.

XGS-PON ist damit zum Quasi-Industrie-Standard geworden. Aus Sicht des Layer 2, also der Elektronik, spielt es keine Rolle, wo die Splitter installiert sind. Aus kartellrechtlicher Sicht jedoch schon. Der ungehinderte Wettbewerb funktioniert nur, wenn der PON-Baum einen sehr kurzen Stamm und lange Äste hat. Deshalb hat die Wettbewerbskommission einen langen Stamm und kurze Äste verboten, denn so hätte Swisscom das Glasfasernetz monopolisieren können. Dass dies nicht passiert ist, verdanken wir unserem Sieg im Glasfaserstreit.