{"id":2960,"date":"2024-01-05T15:00:56","date_gmt":"2024-01-05T14:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.init7.net\/?p=2960"},"modified":"2025-11-14T11:39:44","modified_gmt":"2025-11-14T10:39:44","slug":"die-glasfaserstreit-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.init7.net\/de\/die-glasfaserstreit-geschichte\/","title":{"rendered":"Die \u00abGlasfaserstreit\u00bb- Geschichte"},"content":{"rendered":"<section id=\"res-cat-date-block_6822526d47e114effda2099b4122dd7a\" class=\"res-block res-cat-date py-4\" style=\"background: transparent;\">&#13;\n\t<div class=\"inner-container container-off\">&#13;\n&#13;\n\t\t<div class=\"the_category_content\">&#13;\n\t\t\t<div class=\"the_category\"><ul class=\"post-categories\">\n\t<li><a href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/story\/allgemein\/\" rel=\"category tag\">Allgemein<\/a><\/li>\n\t<li><a href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/story\/init7\/\" rel=\"category tag\">Init7<\/a><\/li>\n\t<li><a href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/story\/markt-politik\/\" rel=\"category tag\">Markt &amp; Politik<\/a><\/li>\n\t<li><a href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/story\/technik\/\" rel=\"category tag\">Technik<\/a><\/li><\/ul><\/div> <span class=\"d-none d-sm-block\">|<\/span> <div class=\"the_date\">05.01.2024<\/div><div class=\"the_change_date ml-sm-auto\">zuletzt aktualisiert am 14.11.2025<\/div>&#13;\n&#13;\n\t<\/div>&#13;\n\t  &#13;\n\t<\/div>&#13;\n<\/section>\n\n\n<p>Lesezeit: 13 Minuten<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die &#xAB;Glasfaserstreit&#xBB; Geschichte<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Der sogenannte &#xAB;Glasfaserstreit&#xBB; ist ein wichtiger Kartellrechts-Fall in der Schweiz mit enormer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Der Versuch der Swisscom, die zu bauende Glasfaser-Infrastruktur zu monopolisieren, konnte dank verschiedener Akteure mit dem Kartellgesetz verhindert werden. Wie es dazu kam und wohin die Glasfaser-Reise gehen wird, fassen wir in diesem Blog zusammen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:48px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Telekom-Liberalisierung<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1998 begann die Telekom-Liberalisierung in der Schweiz, aus der einstigen PTT (Post Telefon Telegraf) <a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/telco-report-vom-bundesbetrieb-zum-groessten-schweizer-it-arbeitgeber-20231002\">entstanden Post und Swisscom<\/a>; letztere ging in der Schweiz und in den USA an die B&#xF6;rse. Der Gesetzgeber jedoch liberalisierte nur halbherzig, weil der Bund die Aktienmehrheit der Swisscom behielt und auch heute noch h&#xE4;lt (damals 2\/3, heute noch 51%). Statt einer kompletten Trennung der Infrastruktur (Kupfernetz, Zentralen), die zu 100% beim Bund h&#xE4;tte verbleiben sollen, und des Endkundengesch&#xE4;fts, das man ganz h&#xE4;tte privatisieren sollen, entschied Bundesbern, am Status quo und damit am Interessenkonflikt als Gesetzgeber, Telekom-Regulator und Mehrheitsaktion&#xE4;rs festzuhalten. Dieser Interessenkonflikt dauert bis heute an und ist massgeblich verantwortlich daf&#xFC;r, dass viele politische Fragen in der Telekom-Industrie ungel&#xF6;st sind. Das Thema kommt immer wieder mal auf die politische Agenda; letztmals mit dem <a href=\"https:\/\/www.parlament.ch\/de\/ratsbetrieb\/amtliches-bulletin\/amtliches-bulletin-die-verhandlungen?SubjectId=40085\">Postulat von Nationalrat Balthasar Gl&#xE4;ttli 2017<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">ADSL wird popul&#xE4;r<\/h3>\n\n\n\n<p>Etwa ab dem Jahr 2001 wurde in der Schweiz auf dem herk&#xF6;mmlichen Telefonienetz DSL (Digital Subscriber Line) haupts&#xE4;chlich ADSL (Asymmetric DSL) f&#xFC;r private Endkunden in gr&#xF6;sserem Stil ausgerollt. Zugriff auf das Kupferkabel, die sogenannte TAL (Teilnehmeranschlussleitung) hatte allerdings nur die Ex-Monopolisitin Swisscom. Alle Mitbewerberinnen &#x2013; in der Fach-Terminologie als FDA (Fernmeldedienstanbieterin) subsummiert, mussten sich als reine Wiederverk&#xE4;uferinnen des Vorleistungsprodukts <a href=\"https:\/\/www.swisscom.ch\/de\/business\/wholesale\/angebot\/anschluesse\/BBCS.html\">BBCS (Broadband Connectivity Service)<\/a> am Markt zu behaupten versuchen, woran einige scheiterten. Callino, Riodata, Econophone, Tele2 oder Telefonica waren zu jener Zeit aktiv, sind aber alle als eigenst&#xE4;ndige Marken wieder verschwunden. Sie gingen Konkurs oder wurden von anderen Anbietern &#xFC;bernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Problematisch am DSL-Reselling war insbesondere der Umstand, dass die Marktf&#xFC;hrerin sich der sogenannten &#xAB;Margin Squeeze&#xBB;- Methode bediente. Zwischen ihren eigenen Endkundenpreisen der Marke &#xAB;Bluewin&#xBB; und den BBCS-Vorleistungspreisen wurde zu wenig Marge offeriert, die den Mitbewerbern einen wirtschaftlichen Betrieb erm&#xF6;glicht h&#xE4;tte. Dieses Vorgehen nennt sich Kosten-Preis-Schere und ist gem&#xE4;ss Kartellrecht  illegal. Sunrise als Wettbewerberin zeigte in der Folge Swisscom bei der Wettbewerbskommission an; das Verfahren zog sich allerdings sehr in die L&#xE4;nge, weil Swisscom alle Rekursinstanzen anrief. Das finale Urteil durch das Bundesgericht erfolgte erst 2020; Swisscom wurde letztinstanzlich zu einer Kartellrechtsbusse von 186 Millionen Franken verurteilt. Zudem verst&#xE4;ndigte sich Swisscom mit Sunrise aussergerichtlich zu einer Schadenersatzzahlung &#xFC;ber mehrere hundert Millionen Franken; der genaue Betrag jedoch wurde nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die erste Fernmeldegesetzrevision<\/h3>\n\n\n\n<p>Mitte der Nullerjahre wurde es auch in Bundesbern klar, dass man f&#xFC;r einen funktionierenden Telekom-Wettbewerb in der Schweiz nicht drum herumkommt, die Privilegien der Swisscom weiter zu beschneiden. 2007 trat das revidierte Fernmeldegesetz FMG in Kraft. Es sah insbesondere eine Regulierung der TAL, also der Kupferleitung von der Zentrale zum Endkunden vor. Damit wurde es Wettbewerbern von Swisscom m&#xF6;glich, eine eigene DSL-Infrastruktur in den Zentralen zu installieren und damit von Swisscom unabh&#xE4;ngige ADSL-Angebote auf den Markt zu bringen. Swisscom jedoch tat alles daf&#xFC;r, den neu entstandenen Wettbewerb zu behindern: &#xFC;berh&#xF6;hte Preise, komplizierte Prozesse, &#xFC;berlange Lieferzeiten &#x2013; der Regulator ComCom und das BAKOM (Bundesamt f&#xFC;r Kommunikation) hatten alle H&#xE4;nde voll zu tun, um Swisscom dazu zu zwingen, sich halbwegs kooperativ zu verhalten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Doktrin des Infrastrukturwettbewerbs<\/h3>\n\n\n\n<p>In Bundesbern herrscht bis heute die Doktrin, dass der Telekom-Wettbewerb auf dem sogenannten Infrastrukturwettbewerb basieren m&#xFC;sse. In den Nullerjahren war das einigermassen plausibel, denn nebst dem herk&#xF6;mmlichen Kupfernetz der Telefonie gab es vielerorts ein Koaxialkabelnetz zur Verteilung des TV-Signals. Dieses wurde mit einem R&#xFC;ckkanal versehen und zunehmend auch f&#xFC;r die Lieferung von Internetanschl&#xFC;ssen verwendet. Technisch ist das <a class=\"glossaryLink\" title=\"Glossar: Koaxialkabel\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"cmtt_209fd441b708b1f899e977cdcddb3012\" href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/glossar\/koaxialkabel\/\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">Koaxialkabel<\/a> dem Kupferkabel &#xFC;berlegen, mit dem neuesten DOCSIS-Standard Version 4.0 w&#xE4;ren bis zu 10 <a class=\"glossaryLink\" title=\"Glossar: Gbit\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"cmtt_eb3b2d432a66becbb784d79ccf3aac80\" href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/glossar\/gigabit\/\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">Gigabit<\/a>\/s Downstream-Geschwindigkeit auf Koax m&#xF6;glich. Die bekannteste Anbieterin mit einem Koax-Netz war die damalige Cablecom, die sp&#xE4;ter unter dem Namen UPC operierte und 2020 mit Sunrise zur gr&#xF6;ssten alternativen Telekomanbieterin der Schweiz fusionierte. Fun Fact: Swisscom hielt vor &#xFC;ber 20 Jahren ein Drittel der Cablecom-Aktien, musste diese aber aufgrund kartellrechtlicher Bedenken verkaufen.<br>Hatte der Infrastrukturwettbewerb in den Nullerjahren seine Berechtigung, ist er aus heutiger Sicht ziemlich aus der Zeit gefallen. Denn sowohl bei den &#xAB;K&#xE4;belern&#xBB; wie auch bei den &#xAB;Telef&#xF6;nlern&#xBB; baut man als Ersatz f&#xFC;r das Koax- respektive Telefonnetz nur noch FTTH-Glasfaser (<a class=\"glossaryLink\" title=\"Glossar: FTTH\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"cmtt_2a437c37521c272a045b4efa48344745\" href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/glossar\/ftth\/\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">Fiber to the Home<\/a>). Aus zwei Netzinfrastrukturen wird also eine. Indes tr&#xE4;umt man im National- und St&#xE4;nderat h&#xE4;ufig noch dem l&#xE4;ngst vergangenen Infrastrukturwettbewerb nach und begr&#xFC;ndet damit politische Entscheide.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Glasfaser-Ausbau beginnt<\/h3>\n\n\n\n<p>Ab etwa 2006 begannen verschiedene St&#xE4;dte mit dem Ausbau von Glasfasernetzen, weil erkannt wurde, dass FTTH einen erheblichen Standortvorteil f&#xFC;r eine Kommune darstellt. St&#xE4;dtische Energieversorger waren aufgrund der bestehenden Rohr-Infrastruktur zur Stromversorgung pr&#xE4;destiniert f&#xFC;r die Verlegung von Glasfaserkabeln, denn Glasfaser ist im Vergleich zu Kupferkabeln unempfindlich gegen&#xFC;ber St&#xF6;rungen durch Magnetfelder. Glasfaserkabel k&#xF6;nnen deshalb in den gleichen Sch&#xE4;chten und Rohren wie Stromkabel liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Teilweise wurden diese Grossprojekte in Volksabstimmungen genehmigt. In Z&#xFC;rich stimmte die Bev&#xF6;lkerung im Jahr 2007 zuerst einem Kredit in H&#xF6;he von 200 Millionen Franken zu; f&#xFC;nf Jahre sp&#xE4;ter nochmals 400 Millionen. In Winterthur fand die Volksabstimmung vergleichsweise sp&#xE4;t, n&#xE4;mlich erst im November 2012 statt. Dies erwies sich allerdings nicht als Nachteil: Ein schneller Rollout machte es wett. Winterthur verf&#xFC;gt aktuell mit 99% Abdeckung der Bev&#xF6;lkerung &#xFC;ber eines der dichtesten FTTH-Netze der Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<p>Swisscom wollte nat&#xFC;rlich nicht hintenanstehen und begann ihrerseits mit dem fl&#xE4;chendeckenden Bau von FTTH-Infrastruktur. Um zu vermeiden, dass Geb&#xE4;ude doppelt erschlossen werden &#x2013; durch den lokalen Elektrizit&#xE4;tsversorgungsunternehmen (EVU) und durch Swisscom &#x2013; hat man sich rasch auf sogenannte Glasfaserkooperationen geeinigt. Dabei wurden &#xFC;blicherweise die Quartiere in einer Stadt zwischen Swisscom und dem jeweiligen EVU aufgeteilt; je nach vorhandener Rohr-Infrastruktur, um den Ausbau m&#xF6;glichst effizient und kosteng&#xFC;nstig durchf&#xFC;hren zu k&#xF6;nnen. Die Wettbewerbskommission musste aber eingreifen, denn die erste Version dieser Kooperationsvertr&#xE4;ge war kartellrechtswidrig. Die beiden Kooperationspartner sahen Klauseln vor, die ein Monopol respektive Duopol geschaffen h&#xE4;tte. Das Problem ist auch nach der seinerzeitigen WEKO-Gr&#xE4;tsche nicht ganz vom Tisch: EVUs behaupten stets, sie st&#xFC;nden in ihrem Marktgebiet im harten FTTH-Wettbewerb mit Swisscom; tats&#xE4;chlich befinden sie sich allerdings in einer ziemlich gem&#xFC;tlichen kollektiven Marktbeherrschung, bei der sich beide Player im Gleichtakt bewegen und sich kaum gegenseitig auf die F&#xFC;sse treten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Runder Tisch &#x2013; Technische Standards und das 4-Faser-Modell<\/h3>\n\n\n\n<p>Das BAKOM verfolgte die Entwicklung intensiv und mit Sorge, denn es bestand die Gefahr, dass jeder Ersteller von Glasfaser sein eigenes S&#xFC;ppchen kochen w&#xFC;rde. Insbesondere ewz, das EVU der Stadt Z&#xFC;rich, f&#xFC;hlte sich aufgrund der positiv ausgegangenen ersten Volksabstimmung legitimiert, das Netz rasch nach seinem Gusto auszubauen. Das BAKOM zitierte deshalb erstmals im Jahr 2008 alle Glasfaser-Stakeholder an den Runden Tisch nach Biel. In der Folge wurden in mehreren Arbeitsgruppen technische Standards und Regeln erarbeitet, wie die Glasfaser gebaut werden soll. Unter &#xAB;sanftem&#xBB; Druck willigten schliesslich alle &#xAB;freiwillig&#xBB; ein, sich an diese Selbstregulierung zu halten, die im Wesentlichen das Vier-Faser-Modell (jede Wohnung wird mit 4 Glasfasern erschlossen), einem einheitlichen Nummerierungsschema und die P2P <a class=\"glossaryLink\" title=\"Glossar: P2P\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"cmtt_9a37f8f2caa1ccaaab0c5d2d7f1dfb2e\" href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/glossar\/p2p\/\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">Point-to-Point<\/a> Netztopologie umfasste. In den meisten Kooperationsgebieten erhielten die Kooperationspartner jeweils eine Faser: Faser 1 f&#xFC;r den EVU, Faser 2 f&#xFC;r Swisscom; die Fasern 3 und 4 wurden fast &#xFC;berall als Reserve vorbehalten und nur von der <a class=\"glossaryLink\" title=\"Glossar: OTO-Dose\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"cmtt_de95e5426662c7befd21dc0a73189ef5\" href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/glossar\/oto-dose\/\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">OTO-Dose<\/a> bis zum BEP (Building Entry Point) oder Drop gebaut. Die Leitung zur Zentrale (Feeder) wurde demnach nur f&#xFC;r die Fasern 1 und 2 erstellt. Man spricht daher von einem 4-4-2 (Inhouse &#x2013; Drop &#x2013; Feeder) Ausbau; mancherorts erfolgte auch nur ein 4-4-1 Ausbau.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Erfolg des Runden Tischs<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieser selbstregulierte Standard erweist sich retrospektiv betrachtet als grosser Erfolg, auch nachzulesen auf der <a href=\"https:\/\/www.bakom.admin.ch\/bakom\/de\/home\/das-bakom\/medieninformationen\/bakom-infomailing\/infomailing-56\/runder-tisch-zu-glasfasernetzen-vor-10-jahren-erfolgreich-beendet.html\">BAKOM- Website<\/a>. Jede FDA, also jeder Provider konnte in den Zentralen selber Elektronik installieren und bekam so den Zugang auf die Glasfaser direkt zum Endkunden. Dieses Modell, gemeinhin als Open Access bezeichnet, erm&#xF6;glicht den maximalen Innovationswettbewerb. Technisch sind bereits heute Bandbreiten mit aktuell 100 Gigabit pro Sekunde m&#xF6;glich; ob diese kommerziell sinnvoll sind, kann man nat&#xFC;rlich diskutieren. Das aktuell schnellste f&#xFC;r Privatkunden erschwingliche Angebot umfasst 25 Gigabit pro Sekunde &#x2013; es ist unser <a href=\"https:\/\/www.init7.net\/de\/internet\/fiber7\/\">Fiber7- Produkt<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die zweite Fernmeldegesetzrevision<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Verlauf der Zehnerjahre wurde klar, dass das FMG erneut revidiert werden muss, insbesondere deshalb, weil die auf der TAL basierenden Angebote zunehmend nicht mehr konkurrenzf&#xE4;hig wurden, da die Leitungsl&#xE4;nge des Kupferkabels die Bandbreite bestimmt. Je l&#xE4;nger desto schlechter, mit exponentieller Abnahme. Swisscom behalf sich deshalb mit Glasfaser-Zuleitungen zu Street-Cabinets im Quartier, um die Kupferleitung zu verk&#xFC;rzen und ad&#xE4;quate Bandbreiten (VDSL, G.fast) auch in Gebieten fernab der Zentralen zu erreichen. Den Wettbewerbern war diese Investition aufgrund geringer Marktanteile nicht kostendeckend m&#xF6;glich, sie wichen deshalb auf das Vorleistungsprodukt BBCS aus. Der Swisscom war das recht, denn sie konnte dadurch den Breitbandwettbewerb sowohl bei der Technologie wie auch beim Preis vorbestimmen. Ein Brancheninsider nannte das Ph&#xE4;nomen mal sp&#xF6;ttisch &#xAB;Wettbewerb von Swisscoms Gnaden&#xBB;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anzahl der entb&#xFC;ndelten TAL-Anschl&#xFC;sse nahm seit dem Peak im Jahr 2012 rapide ab. Der Bedarf an hohen Bandbreiten und der Fortschritt bei der Technologie hatte den Nebeneffekt der Deregulierung. Auch war die FTTH-Glasfaser noch komplett unreguliert, obwohl bis 2018 weit &#xFC;ber eine Million Haushalte und Gewerbe mit FTTH erschlossen waren. Deshalb forderte der Bundesrat in seiner Botschaft zur neuerlichen Revision des FMG eine technologieneutrale Regulierung. Die damalige UVEK-Chefin Doris Leuthard sagte in der Debatte des St&#xE4;nderats folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#xAB;Der Bundesrat hat in den letzten Jahren auf Legiferierungen [Gesetzgebung] verzichtet [&#x2026;], weil wir mit der Branche abgemacht haben, die Glasfaserinvestitionen nicht zu bremsen [&#x2026;], wir haben an einem runden Tisch mit den verschiedenen Akteuren Spielregeln aufgestellt, zum Beispiel die Regel, [&#x2026;] dass man vierfaserige Glasfaserkabel installiert, damit verschiedene Anbieter Zugang zu diesen Technologien haben und die Kosten kleiner sind.&#xBB;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Swisscom-Lobbyisten schafften es aber, den St&#xE4;nderat dazu zu bringen, den Artikel der technologieneutralen Regulierung aus dem Gesetzesentwurf zu streichen. Das revidierte FMG, in Kraft seit 2021, ist aus Sicht des Wettbewerbs eine zahnlose Angelegenheit; im Wesentlichen basiert es auf dem Vertrauen, dass Swisscom sich schon konform verhalten und die Wettbewerber nicht behindern werde. Bundesr&#xE4;tin Leuthard glaubte den Beteuerungen, dass die Glasfaser-Spielregeln des Runden Tischs weiterhin G&#xFC;ltigkeit h&#xE4;tten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Swisscom f&#xFC;hrt Bundesbern in die Irre<\/h3>\n\n\n\n<p>Kaum war die technologieneutrale Regulierung im Parlament definitiv vom Tisch, k&#xFC;ndigte Swisscom im Februar 2020 den Bau von <a class=\"glossaryLink\" title=\"Glossar: FTTH\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"cmtt_2a437c37521c272a045b4efa48344745\" href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/glossar\/ftth\/\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">FTTH<\/a> f&#xFC;r weitere 1.5 Millionen Haushalte bis 2025 an, dies jedoch mit einer ge&#xE4;nderten Netztopologie. Anstelle der wie am Runden Tisch vereinbarten P2P-Netztopologie wurde neu P2MP <a class=\"glossaryLink\" title=\"Glossar: P2MP\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"cmtt_4de3ff8f4bda7cfc3f8f785785f90255\" href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/glossar\/p2mp\/\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">Point-to-Multipoint<\/a> vorgesehen <a href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/p2p-p2mp\/\">(siehe Blog-Eintrag Unterschied P2P vs. P2MP)<\/a>. Swisscom wollte so die Glasfaser monopolisieren, indem sie mit der gebauten Netz-Topologie auch f&#xFC;r Wettbewerber festsetzen konnte, welche Elektronik sich &#xFC;berhaupt noch eignet. Zudem ist Rentabilit&#xE4;t bei P2MP nur gegeben, wenn ein Provider einen mittleren zweistelligen Marktanteil erreicht. Kleinere Wettbewerberinnen w&#xE4;ren so gezwungen gewesen, die vorkonfektionierten BBCS-Produkte weiterzuverkaufen oder aber sich vom Markt komplett zu verabschieden. Aus kartellrechtlicher Betrachtung war es also klar, dass Swisscom ihre marktbeherrschende Stellung missbraucht, denn der vereinbarte &#xAB;Open Access&#xBB;-Zugang wird durch die P2MP-Netztopologie verhindert. Nur drei Wochen nach der Ank&#xFC;ndigung von Swisscom, bereits im Februar 2020, startete die WEKO (Wettbewerbskommission) deshalb eine erste Vorabkl&#xE4;rung.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Init7 erstattet Anzeige<\/h3>\n\n\n\n<p>Nachdem mehr und mehr FTTH-Anschl&#xFC;sse mit der neuen Netztopologie in die Vermarktung kommen, auf denen die von Init7 pr&#xE4;ferierten Produkte nicht mehr m&#xF6;glich waren, erstattet Init7 im September 2020 Anzeige gegen Swisscom bei der WEKO. Die Sendung &#x201E;10vor10&#x201C; des Schweizer Fernsehens berichtete kurz zuvor &#xFC;ber die Problematik.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"videoWrapper\"> <iframe width=\"768\" height=\"432\" src=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/embed?urn=urn:srf:video:3bc6bb3f-70b0-4be3-84ba-1c04c51d3450&amp;subdivisions=false\" style=\"width: 100%; aspect-ratio: 16 \/ 9; allowfullscreen='true' webkitallowfullscreen='true' mozallowfullscreen='true' frameborder='0'scrolling='no'&gt;&lt;\/iframe&gt;\n\n\n\n&lt;div style=\" height:28px aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/iframe><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vorsorgliche Massnahme<\/h3>\n\n\n\n<p>Die WEKO er&#xF6;ffnete nur drei Monate nach der Anzeige ein Verfahren und erliess am 14. Dezember 2020 eine vorsorgliche Massnahme (VM) gegen Swisscom. Ab sofort durfte Swisscom keine FTTH nach der P2MP-Netztopologie mehr bauen und vermarkten. Dies, weil w&#xE4;hrend der mutmasslich langen Verfahrensdauer Swisscom ein &#xAB;Fait accompli&#xBB; schaffen k&#xF6;nnte. Damit best&#xE4;tigt die WEKO die Gefahr ku&#x308;nftiger Wettbewerbsverzerrung im Markt der Internetanschlu&#x308;sse. Bedenkt man, dass FTTH-Glasfasern f&#xFC;r Dekaden in Betrieb sein werden, w&#xE4;re es f&#xFC;r die Schweizer Volkswirtschaft fatal gewesen, Swisscom einfach gew&#xE4;hren zu lassen im Ansinnen, ein Glasfasermonopol zu errichten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Swisscom ignoriert WEKO<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Januar 2021 reichte Swisscom gegen den WEKO-Entscheid bei der ersten Rekursinstanz, dem Bundesverwaltungsgericht (BVGER) in St. Gallen, Beschwerde ein. Daraufhin lud das BVGER zu einem Hearing, wo VertreterInnen der WEKO, Swisscom wie auch Init7 als sogenannte Beigeladene vertreten waren.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Beschwerde abgewiesen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde von Swisscom wird am 30. September 2021 in einem 219-seitigen &#xFC;beraus deutlichen Urteil vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen. Es f&#xFC;hrt unter anderem aus, dass die kollaborativen Beschl&#xFC;sse des Runden Tischs nach wie vor wichtige G&#xFC;ltigkeit haben und sich ein wichtiger Player wie Swisscom nicht durch die Hintert&#xFC;r daraus verabschieden darf. Auch das viel bem&#xFC;hte Argument, P2P sei &#xAB;viel&#xBB; teurer als <a class=\"glossaryLink\" title=\"Glossar: P2MP\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"cmtt_4de3ff8f4bda7cfc3f8f785785f90255\" href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/glossar\/p2mp\/\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">P2MP<\/a>, wurde vom BVGER zerpfl&#xFC;ckt. Mehrkosten von maximal 20% seien tolerierbar, weil diese bereits dem Runden Tisch bekannt waren und sich Swisscom seinerzeit selber sehr f&#xFC;r das Vier-Faser-Modell eingesetzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Swisscom stoppte nach dem BVGER-Verdikt im Oktober 2021 die Vermarktung von etwa <a href=\"https:\/\/www.inside-it.ch\/post\/swisscom-haengt-93-000-haushalte-vom-glasfasernetz-ab-20211027\">93&#x2019;000 illegal gebauter FTTH-Anschl&#xFC;sse<\/a>. Solche, die bereits in Betrieb waren, wurden allerdings nicht abgeschaltet.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Swisscom ignoriert WEKO und BVGER<\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz des laufenden Verfahrens und dem verf&#xFC;gten Baustopp der P2MP-Netztopologie hielt Swisscom unbeirrt an ihren Pl&#xE4;nen fest und erstellte insgesamt weit &#xFC;ber 600000 FTTH-Anschl&#xFC;sse in der illegalen Bauweise. Ein guter Teil davon ist nach wie vor in Betrieb, allerdings sind derzeit noch mehr Anschl&#xFC;sse blockiert. Die sture Haltung von Swisscom, nicht von ihrem Monopol-Ansinnen abzur&#xFC;cken, verhindert, dass mehrere hunderttausend Haushalte und Gewerbe in der ganzen Schweiz zwar Glasfaser bis in ihr Geb&#xE4;ude haben, diese aber nicht nutzen d&#xFC;rfen und sich weiterhin mit ihrer Kupferleitung zufriedengeben m&#xFC;ssen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erneute Beschwerde von Swisscom<\/h3>\n\n\n\n<p>Swisscom zieht das aus ihrer Sicht negative Urteil des Bundesverwaltungsgerichts an die zweite und letzte Rekursinstanz, dem Bundesgericht (BGer) in Lausanne weiter. Sie beantragte die Aufhebung der vorsorglichen Massnahme, um w&#xE4;hrend des laufenden mehrj&#xE4;hrigen Hauptverfahrens weiter P2MP bauen zu k&#xF6;nnen. Das BGer lehnte den Antrag am 6. Dezember 2021 ab. Doch auch dieses Urteil akzeptiert Swisscom nicht und setzt den P2MP-Ausbau trotzdem fort.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Swisscom-CEO Urs Schaeppi muss zur&#xFC;cktreten<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Februar 2022 k&#xFC;ndigt Swisscom an, dass ihr CEO Urs Schaeppi &#x2013; nicht ohne f&#xFC;rstliche Abfindung &#x2013; gehen muss. Er war neun Jahre lang im Amt und ist massgeblich verantwortlich f&#xFC;r den Versuch, das Glasfasernetz zu monopolisieren. Sein Nachfolger Christoph Aeschlimann k&#xFC;ndigt im Oktober 2022 an, dass Swisscom wieder FTTH-Glasfaser nach der P2P-Netztopologie bauen werde und die durch den Rechtsstreit blockierten Anschl&#xFC;ssen teilweise auf <a class=\"glossaryLink\" title=\"Glossar: P2P\" aria-describedby=\"tt\" data-cmtooltip=\"cmtt_9a37f8f2caa1ccaaab0c5d2d7f1dfb2e\" href=\"https:\/\/blog.init7.net\/de\/glossar\/p2p\/\" data-mobile-support=\"0\" data-gt-translate-attributes='[{\"attribute\":\"data-cmtooltip\", \"format\":\"html\"}]' tabindex=\"0\" role=\"link\">P2P<\/a> umgebaut werden sollen. Dieses Eingest&#xE4;ndnis trotz des noch beim Bundesgericht h&#xE4;ngigen Verfahrens ist bemerkenswert; offenbar kam man in der F&#xFC;hrungsetage von Swisscom zur sp&#xE4;ten Einsicht, dass das Pferd tot war, auf dem man zu reiten versuchte.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vorsorgliche Massnahme letztinstanzlich best&#xE4;tigt<\/h3>\n\n\n\n<p>Am 2. November 2022 best&#xE4;tigt das Bundesgericht die vorsorgliche Massnahme letztinstanzlich. Der Ausbau und die Vermarktung von Glasfaser mit der P2MP-Netztopologie wird der Swisscom definitiv verboten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Feeder Cleanup<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Dezember 2022 schickte Swisscom eine Liste des Projekts &#xAB;Feeder Cleanup&#xBB; mit der Ank&#xFC;ndigung, etwa 36600 illegale Anschl&#xFC;sse auf die konforme Bauweise in etwa 110 Zentralen umzubauen. Dieser Umbau wird allerdings mindestens zwei Jahre in Anspruch nehmen. Einige Monate sp&#xE4;ter kam dann das Eingest&#xE4;ndnis, dass nicht nur teilweise, sondern vollst&#xE4;ndig auf das legale P2P umgebaut w&#xFC;rde.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:28px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Abschluss des Hauptverfahrens<\/h3>\n\n\n\n<p>W&#xE4;hrend das Verfahren um die vorsorgliche Massnahme rechtskr&#xE4;ftig durch das Bundesgericht abgeschlossen wurde, brauchte das Hauptverfahren bis zum finalen Entscheid mehrere Monate. Im vergangenen Herbst 2023 wurde der 170-seitige Antrag des WEKO-Sekretariats an die WEKO allen Verfahrensbeteiligten zur Vernehmlassung vorgelegt und am 20. November 2023 f&#xFC;hrte die WEKO zudem ein Hearing durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Entscheid der WEKO wurde am 25.04.2024 bekanntgegeben. Die Swisscom muss 18,4 Mio. Franken Kartellrechtsbusse bezahlen und darf das Glasfasernetz nicht monopolisieren. Der bescheidene Bussbetrag irritiert zwar aufgrund der langen Vorgeschichte und der Uneinsichtigkeit, welche die Verantwortlichen an den Tag gelegt haben. Relevant ist aber, dass die WEKO hart bleibt und Vorgaben zum Glasfaser-Ausbau erl&#xE4;sst, damit der Innovationswettbewerb nicht behindert wird. Der Swisscom wird es definitiv verboten, eine P2MP Netztopologie zu bauen und zu vermarkten. Die bereits erstellten illegalen etwa 750000 Anschl&#xFC;sse m&#xFC;ssen bis Ende 2025 umgebaut oder abgeschaltet werden. Swisscom indes hat bereits angek&#xFC;ndigt, gegen die Verf&#xFC;gung der WEKO zu rekurrieren. Damit d&#xFC;rfte das Verfahren noch weitere Jahre in Anspruch nehmen, w&#xE4;hrend die Instanzen, also Bundesverwaltungsgericht und Bundesgericht sich mit dem Rekurs besch&#xE4;ftigen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:64px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kommentar<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Swisscom hat in der zweiten Revision des Fernmeldegesetz FMG einen Pyrrhus-Sieg errungen und konnte die Mehrheit des St&#xE4;nderats davon &#xFC;berzeugen, die technologieneutrale Regulierung aus dem Gesetzesentwurf zu streichen. Dass sie nach Abschluss der FMG-Debatte auf die wettbewerbsverzerrende P2MP-Netztopologie umschwenken w&#xFC;rde, war indes Swisscom-intern bereits Anfang 2018 bekannt, wie das &#xAB;Geheimplan&#xBB;-Dokument mit dem Titel &#xAB;Beweisf&#xFC;hrung der zuk&#xFC;nftigen Kooperationsf&#xE4;higkeit&#xBB; zeigt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"543\" data-id=\"2988\" src=\"https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie-1-1024x543.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2988\" srcset=\"https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie-1-1024x543.png 1024w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie-1-300x159.png 300w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie-1-768x407.png 768w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie-1-1536x814.png 1536w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie-1-1300x689.png 1300w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie-1.png 1657w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"549\" src=\"https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie_2-2-1024x549.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3020\" srcset=\"https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie_2-2-1024x549.png 1024w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie_2-2-300x161.png 300w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie_2-2-768x412.png 768w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie_2-2-1536x824.png 1536w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie_2-2-1300x697.png 1300w, https:\/\/blog.init7.net\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/glasfaser_geheimplan_der_swisscom_GPON_netz_topologie_2-2.png 1657w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Bedenklich ist auch, dass sich Swisscom zwar im Mehrheitsbesitz des Bundes befindet, der Bundesrat aber mit seiner Laisser-faire Politik keinerlei Druck auf den Swisscom-Verwaltungsrat aus&#xFC;bte, die Infrastruktur im Sinne der Schweizerischen Volkswirtschaft zu erstellen. Der Bundesvertreter im Swisscom-VR schien bloss eine Abnick-Marionette zu mimen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auch die Parteien in Bundesbern scheinen eher desinteressiert. Die SP schluckt das j&#xE4;hrliche Dividenden-Valium von Swisscom von 22 Franken pro Aktie und verkennt, dass es bei der Glasfaser-Infrastruktur um einen sch&#xFC;tzenswerten Service Public geht, dessen Verteidigung man besser nicht den Neoliberalen &#xFC;berlassen sollte. Die marktgl&#xE4;ubigen Freisinnigen haben umgekehrt nicht begriffen, dass nur eine strenge Regulierung im Vorleistungsmarkt den maximalen Wettbewerb im Endkundenmarkt sicherstellt. Ein Parlamentarier der SVP war besonders sachfremd mit seiner Argumentation, Swisscom sei doch eine &#xAB;gute Firma&#xBB; und sponsore zahlreiche Sportveranstaltungen im ganzen Land.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der &#xAB;Glasfaserstreit&#xBB; ist &#x2013; nebst dem riesigen Zeitverlust, wo zahllose Menschen und Firmen l&#xE4;nger auf Glasfaser warten m&#xFC;ssen &#x2013; auch richtig teuer. Der Umbau auf die konforme P2P-Bauweise d&#xFC;rfte Swisscom vermutlich gegen eine halbe Milliarde Franken kosten. Dazu kommen nicht realisierte Ertr&#xE4;ge durch die vorsorgliche Massnahme, und schliesslich noch die Kartellrechtsbusse. Man fragt sich schon, warum die verantwortlichen Personen in Verwaltungsrat und Gesch&#xE4;ftsleitung bei Swisscom pers&#xF6;nlich ungeschoren davonkommen; im Gegenteil, dem gefeuerten CEO Schaeppi hat man noch eine Million Franken Abfindung bezahlt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Doch auch Bundesbern muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass die gescheiterte Regulierung in der FMG-Revision den &#xAB;Glasfaserstreit&#xBB; erst erm&#xF6;glichte. Dass man mit dem Kartellgesetz das &#xAB;missratene&#xBB; Fernmeldegesetz flicken muss, spricht nicht f&#xFC;r die Weitsicht des St&#xE4;nderats, der &#x2013; entgegen dem Willen von Bundesrat, ComCom, BAKOM, Nationalrat und der gesamten Telekomindustrie &#x2013; die Regulierung versenkte. Man kann hoffen, dass in der neuen Legislatur demn&#xE4;chst eine dritte FMG-Revision angestossen wird, die das Vers&#xE4;umnis der zweiten Revision nachholt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:64px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Glossar<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>WEKO<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufgaben der Wettbewerbskommission sind die Bek&#xE4;mpfung von sch&#xE4;dlichen Kartellen, die Missbrauchsaufsicht &#xFC;ber marktbeherrschende Unternehmen, die Durchf&#xFC;hrung der Fusionskontrolle sowie die Verhinderung staatlicher Beschr&#xE4;nkungen des Wettbewerbs und des interkantonalen Wirtschaftsverkehrs. <br><a href=\"https:\/\/www.weko.admin.ch\/weko\/de\/home.html#:~:text=Die%20Aufgaben%20der%20Wettbewerbskommission%20sind,Wettbewerbs%20und%20des%20interkantonalen%20Wirtschaftsverkehrs\">Quelle<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BAKOM<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesamt f&#xFC;r Kommunikation ist zust&#xE4;ndig f&#xFC;r die Telekommunikation, die Medien und das Postwesen der Schweiz und sorgt f&#xFC;r eine stabile und fortschrittliche Kommunikationsinfrastruktur. Es ist Teil des Eidgen&#xF6;ssischen Departements f&#xFC;r Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).<br><a href=\"https:\/\/www.bakom.admin.ch\/bakom\/de\/home.html#:~:text=Das%20Bundesamt%20f%C3%BCr%20Kommunikation%20(BAKOM)%20ist%20zust%C3%A4ndig%20f%C3%BCr%20die%20Telekommunikation,Energie%20und%20Kommunikation%20(UVEK)\">Quelle<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BVGer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Bundesverwaltungsgericht (BVGer) mit Sitz in St. Gallen ist das allgemeine Verwaltungsgericht der Schweiz.&#xA0;<br><a href=\"https:\/\/www.bvger.ch\/de\/faq\">Quelle<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>BGer<\/strong><br>Das schweizerische Bundesgericht (BGer) mit Sitz in Lausanne ist die h&#xF6;chste richterliche Beh&#xF6;rde der Schweiz. Neben der Bundesversammlung (Legislative) und dem Bundesrat (Exekutive) verk&#xF6;rpert es die dritte Staatsgewalt des Bundes, die Justiz (Judikative).<br><a href=\"https:\/\/www.bger.ch\/files\/live\/sites\/bger\/files\/pdf\/de\/bg_leporello.pdf\">Quelle<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der sogenannte \u00abGlasfaserstreit\u00bb ist ein wichtiger Kartellrechts-Fall in der Schweiz mit enormer volkswirtschaftlicher Bedeutung. Der Versuch der Swisscom, die zu bauende Glasfaser-Infrastruktur zu monopolisieren, konnte dank verschiedener Akteure mit dem Kartellgesetz verhindert werden. 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